"Terminator: Dark Fate": Hat uns James Cameron alle komplett verarscht?

Neben Schwarzenegger und Hamilton sollte in „Terminator 6“ auch Edward Furlong als John Connor zurückkehren – das versprach Franchise-Schöpfer James Cameron jedenfalls. So richtig eingehalten hat er dieses Versprechen allerdings nicht.

Was war das für eine Überraschung, als „Terminator“-Urvater James Cameron im Zuge der San Diego Comic-Con im Juli 2019 bestätigte: „Edward Furlong wird in ‚Terminator: Dark Fate‘ als John Connor zurückkehren!“ Nach dem Kinostart wissen wir nun allerdings, dass das nur unter gewissen Gesichtspunkten stimmt – und wenn man beide Augen zudrückt.

John Connor in "Dark Fate"

Der Sohn von Widerstandskämpferin Sarah Connor (Linda Hamilton) wurde in den letzten Jahrzehnten von unterschiedlichen Schauspielern verkörpert – etwa von Nick Stahl in „Terminator 3 - Rebellion der Maschinen“ oder von Christian Bale in „Terminator: Die Erlösung“. Der einzig wahre John Connor ist für viele allerdings Edward Furlong, der als 14-Jähriger in „Terminator 2“ an der Seite von Arnold Schwarzenegger groß rauskam.

Dass sich die Leute über ein Wiedersehen mit dem einstigen Jung-Darsteller freuen würden, wusste James Cameron natürlich nur zu gut und verriet deswegen bereits im vergangenen Sommer, dass neben Linda Hamiltons Sarah Connor und Arnold Schwarzeneggers T-800 eben auch Furlong erneut in seine Rolle schlüpfen wird. Das stimmt allerdings nur bedingt, denn von (dem heutigen) Edward Furlong fehlt in dem Film jede Spur.

Connor taucht gerade einmal in einer Szene auf, in der er auch nur vorkommt, um direkt dem T-800 zum Opfer zu fallen. Vor allem aber spielt die Szene in der Vergangenheit, sodass wir nicht Furlong selbst zu sehen kriegen, sondern lediglich einen Teenager, dem Furlongs einst jugendliches Gesicht mittels CGI aufgesetzt wurde. Ein Hoch auf die Computertechnologie!

Hatte Edward Furlong überhaupt was damit zu tun?

Dass Furlong bereits vorab in der Castliste auftauchte, ließ natürlich darauf schließen, dass er auch tatsächlich an „Terminator: Dark Fate“ mitgearbeitet hat. Darauf lässt der fertige Film allerdings nicht schließen.

Natürlich besteht immer noch die Möglichkeit, dass sich der mittlerweile 42-Jährige etwa für Scans zur Verfügung stellte, die man für die spätere Animation nutzte, viel mehr aber auch nicht. Da sich der Schauspieler in den letzten 28 Jahren aber natürlich stark verändert hat, ist die Lage eigentlich ziemlich eindeutig:

Furlong war wohl nicht aktiv am sechsten „Terminator“-Film beteiligt und musste höchstens eine Einverständniserklärung für die Nutzung seines jüngeren CGI-Ichs abgeben.

Nachdem Furlong in diversen Castlisten lange Zeit lediglich als John Connor gelistet war, wurde diese Info mittlerweile vielerorts angepasst. So listet die IMDb Furlong heute passenderweise als „John Connor Reference“ – denn mehr als eine Referenz ist John Connors Auftritt in „Dark Fate“ auch nicht.

 

Verarscht oder nicht?

Spannend ist die Frage, wie James Camerons bewusst in die Irre führenden Informationen einzuordnen sind. Denn auch wenn gewisse Halbwahrheiten zum Marketing gehören und gerade heutzutage auch vor Spoilern schützen sollen, hat uns Cameron letztlich doch irgendwie mit falschen Informationen gefüttert. Wir finden deswegen:

Ja, James Cameron hat uns bewusst an der Nase herumgeführt – um nicht zu viel über den Film zu verraten, aber sicherlich auch, um unsere Vorfreude auf den Film zu erhöhen.

Trotzdem, dieses Thema wird in Zukunft wohl immer häufiger aufkommen und wohl noch hitzig diskutiert werden. In der Frage, wo man nun die Grenze zwischen Darstellern aus Fleisch und Blut und digitalen Rekonstruktionen zieht, ist das letzte Wort nämlich noch lange nicht gesprochen.

Fast schon regelmäßig sieht man heute in Blockbustern verjüngte Versionen von Darstellern, die sich dabei normalerweise aber auch selbst spielen. Da das mittlerweile oft aber nicht nur nicht nötig, sondern eben auch nicht möglich ist, werden wir demnächst wohl viele altbekannte Schauspieler wiedersehen – auch wenn diese dafür gar nicht vor der Kamera standen.

In der Vergangenheit kam es nur selten zu derartigen Situationen, wobei stets die Einwilligung von Schauspielern vonnöten war, um deren Darstellung zu nutzen. Bestes Beispiel: Jet Li, der bereits neun Monate an „Matrix Reloaded“ und „Matrix Revolutions“ mitarbeitete, die Rechte seiner Kampfchoreographien und Bewegungen aber nicht abtreten wollte.

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